Flottenmanager als SaaS: Cloud-Deployment für AGV-Systeme

Wie funktioniert ein cloudbasierter Flottenmanager? Architekturen mit On-Premise-MQTT-Broker, VPN-Anbindung, MQTT Bridge und die Vorteile von SaaS-Deployment für AGV-Flotten.

Lesezeit: 5 Min.

Überblick

Ein Flottenmanager kann on-premise (auf einem lokalen Server im Werk) oder als Cloud-Service (SaaS) betrieben werden. Beide Ansätze verwalten die gleichen Kernfunktionen — Auftragsverteilung, Routenplanung, Deadlock-Vermeidung — unterscheiden sich aber darin, wo die Software gehostet wird und wie sie sich mit den Fahrzeugen verbindet.

Wann SaaS in Betracht ziehen:

  • Keine dedizierte On-Premise-Serverinfrastruktur vorhanden
  • Präferenz für herstellerverwaltete Updates und Wartung
  • Schnelle Inbetriebnahme ohne lokalen IT-Aufbau
  • Die Hochverfügbarkeit eines Flottenmanagers sicherzustellen erfordert mehr Aufwand als eine zuverlässige Internetverbindung bereitzustellen, was Cloud-Hosting zu einer attraktiven Option macht

Hinweis: MQTT-Verbindungen werden in der Regel mit TLS-Verschlüsselung (MQTTS) abgesichert. Alle in diesem Artikel beschriebenen MQTT-Verbindungen sind als verschlüsselt zu verstehen.

MQTT im Kundennetzwerk

Der MQTT-Broker läuft im Kundennetzwerk. Der Fleet Manager in der Cloud verbindet sich als MQTT-Client mit dem lokalen Broker, optional über einen VPN-Tunnel.

SaaS-Architektur: Fleet Manager in der Cloud, verbunden über VPN mit On-Premise-MQTT-Broker und FTF

So funktioniert es

  1. MQTT-Broker läuft auf einem lokalen Server oder Industrie-PC im Werksnetzwerk
  2. AGVs verbinden sich per WLAN mit dem MQTT-Broker — niedrige Latenz, kein Internet erforderlich
  3. Fleet Manager (Cloud) verbindet sich als MQTT-Client mit dem lokalen Broker, optional über einen VPN-Tunnel
  4. Alle Fahrzeugbefehle und Statusmeldungen fließen wie gewohnt über MQTT — die AGVs wissen nicht (und müssen nicht wissen), dass der Fleet Manager remote läuft

Vorteile dieses Ansatzes

  • Niedrige Latenz für die Fahrzeugsteuerung — MQTT-Kommunikation zwischen Broker und AGVs bleibt lokal
  • Kein Internet für AGVs erforderlich — Fahrzeuge benötigen nur WLAN-Zugang zum Werksnetzwerk
  • Minimale Internetexposition — nur eine Verbindung vom Fleet Manager zum Broker, nicht jedes Fahrzeug
  • Einfaches Netzwerk-Setup — AGVs verbinden sich mit einem lokalen Broker, keine Firewall-Änderungen pro Fahrzeug
  • Ausfallsicherheit — bei temporärem Internetausfall kann der MQTT-Broker Nachrichten lokal zwischenspeichern

Alternative: MQTT Bridge

Anstatt dass sich der Fleet Manager direkt mit einem Broker im Kundennetzwerk verbindet, kann ein MQTT-Bridge-Setup verwendet werden. Dabei laufen lokale MQTT-Broker als Bridges im Kundennetzwerk und leiten relevante Topics über Netzwerkzonen hinweg an den MQTT-Broker in der Cloud weiter.

MQTT-Bridge-Architektur: Lokale MQTT-Broker in Produktions- und Enterprise-Netzwerk leiten Nachrichten an den Cloud-Broker weiter

So funktioniert es

  1. AGVs verbinden sich per WLAN mit einem lokalen MQTT-Broker im Produktionsnetzwerk — niedrige Latenz, kein Internet erforderlich
  2. MQTT Bridge (Produktion) leitet relevante Topics an den MQTT-Broker im Enterprise-Netzwerk weiter
  3. MQTT Bridge (Enterprise) leitet die Topics über eine ausgehende MQTT-Verbindung an den Cloud-MQTT-Broker weiter
  4. Fleet Manager (Cloud) verbindet sich mit dem Cloud-MQTT-Broker und empfängt alle Fahrzeugdaten über die Bridge-Kette

Vorteile dieses Ansatzes

  • Keine direkte Cloud-Verbindung des Fleet Managers — die Bridge baut die ausgehende Verbindung zum Cloud-Broker auf
  • Niedrige Latenz für die Fahrzeugsteuerung — MQTT-Kommunikation zwischen Broker und AGVs bleibt lokal
  • Einfache Firewall-Konfiguration — nur eine ausgehende MQTT-Verbindung aus dem Enterprise-Netzwerk muss erlaubt werden
  • Netzwerkzonen-kompatibel — Bridges können über mehrere Netzwerksegmente (Produktion → Enterprise → Cloud) kaskadiert werden
  • Pufferung bei Verbindungsunterbrechung — der lokale Broker speichert Nachrichten, bis die Bridge-Verbindung wiederhergestellt ist

Alternative: Vollständig in der Cloud

Es ist auch möglich, sowohl den Flottenmanager als auch den MQTT-Broker in der Cloud zu betreiben. In diesem Setup verbinden sich die AGVs direkt über das Internet mit einem Cloud-MQTT-Broker.

Vollständige Cloud-Architektur: Fleet Manager und MQTT-Broker beide in der Cloud, FTF verbinden sich über Internet

Unterschiede

  • Jedes AGV benötigt eine zuverlässige Internetverbindung
  • Sämtlicher MQTT-Traffic geht über das Internet, was die Latenz erhöht
  • Komplexere Netzwerkkonfiguration (Firewall-Regeln, NAT-Traversal pro Fahrzeug)
  • Höhere Abhängigkeit von der Internetverfügbarkeit für den Fahrzeugbetrieb
  • Bei Verbindungsverlust müssen die Fahrzeuge Nachrichten nach Wiederverbindung erneut senden. In den anderen Architekturen puffert der lokale Broker Nachrichten während eines Ausfalls

Dieser Ansatz kann bei Outdoor-AGVs oder Campus-Szenarien funktionieren, in denen lokales Werksnetzwerk unpraktisch ist, wird aber für typische Indoor-Flottendeployments nicht empfohlen.

Vergleich der Architekturen

Kriterium MQTT im Kundennetzwerk MQTT Bridge Vollständig Cloud
AGV-zu-Broker Latenz < 5 ms (lokal) < 5 ms (lokal) 20-100+ ms (Internet)
Internet für AGVs Nein Nein Ja, pro Fahrzeug
Cloud-Verbindung Fleet Manager verbindet sich als MQTT-Client Bridge baut ausgehende MQTT-Verbindung auf Jedes Fahrzeug verbindet sich direkt
MQTT-Broker Standort Kundennetzwerk Cloud + lokale Bridges Cloud
Netzwerk-Komplexität Niedrig — einzelne Verbindung Niedrig — ausgehende MQTT-Verbindung Hoch — Konnektivität pro Fahrzeug
Offline-Resilienz Broker puffert lokal Bridge puffert lokal Fahrzeuge verlieren Verbindung
Netzwerkzonen Einzelne Netzwerkzone Bridge-Kaskadierung möglich Direkte Internetverbindung
Ideal für Einfaches Netzwerk, einzelne Zone Multi-Zonen-Netze, segmentierte IT Outdoor- / Campus-Szenarien

Vorteile des SaaS-Deployments

Unabhängig davon, wo der MQTT-Broker läuft, bietet das Hosting des Flottenmanagers als SaaS betriebliche Vorteile:

Automatische Updates

Software-Updates werden vom Anbieter verwaltet und sind im Abonnement enthalten. Kein manuelles Patching oder Upgrade-Zyklen — der Flottenmanager ist immer auf dem neuesten Stand.

Multi-Standort-Management

Eine einzige Cloud-Instanz kann Flotten an mehreren Standorten verwalten. Zentrale Dashboards bieten eine Übersicht aller Standorte ohne separate Installationen pro Werk.

Schnelle Inbetriebnahme

Keine Serverbeschaffung, keine Betriebssystem-Installation, kein lokaler IT-Aufbau. Eine neue Flotte kann in Stunden statt Tagen angebunden werden.

Kein On-Premise IT-Personal

Serverwartung, Backups und Sicherheitspatches werden vom SaaS-Anbieter übernommen. Werke ohne dediziertes IT-Personal können dennoch einen Flottenmanager betreiben.

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