AGV-Fahrzeugtypen: Welcher passt zu Ihrer Anwendung?
Vom Gabelstapler-AGV bis zum Unterfahrfahrzeug: Übersicht aller AGV-Fahrzeugtypen, Traglasten, Einsatzgebiete und Auswahlkriterien.
Nicht jedes AGV sieht gleich aus
Wer an AGVs denkt, hat oft ein einzelnes Fahrzeugbild im Kopf. Die Realität ist vielfältiger: Das Spektrum reicht von kompakten Robotern mit wenigen Dutzend Kilogramm Eigengewicht bis zu Schwerlasttransportern, die Lasten von 30 Tonnen und mehr durch die Halle bewegen.
Die Wahl des richtigen Fahrzeugtyps gehört zu den frühesten und folgenreichsten Entscheidungen in jedem AGV-Projekt. Sie bestimmt die Infrastrukturanforderungen, die Systemkosten und letztlich, ob die Automatisierung ihren Zweck erfüllt.
Paletten- und Ladungsträger-Transport
Die größte Kategorie von AGVs dreht sich um das Bewegen von Paletten, Containern und ähnlichen Ladungsträgern.
Gabelstapler-AGV
Nimmt Paletten auf und setzt sie in verschiedenen Höhen ab, vom Boden bis ins Hochregal. Erhältlich als speziell für die Automatisierung konstruierte AGVs oder als Serienstapler, die mit Sensorik und Navigation nachgerüstet wurden. Nachgerüstete Modelle behalten oft einen manuellen Modus für den Dual-Use-Betrieb.
Typische Traglast: bis 1,5 t | Einsatz: Lagerhaltung, Produktionsversorgung
Stärken
- Handhabt den häufigsten Ladungsträger (Paletten)
- Nachgerüstete Modelle ermöglichen schrittweisen Übergang von Manualflotten
- Breites Angebot an Anbietern und Konfigurationen
Einschränkungen
- Neukonstruktionen: höhere Kosten, kein manueller Fallback
- Nachgerüstete Modelle: größerer Platzbedarf, Automatisierungskompromisse
- Erfordert ordentlich positionierte Paletten für zuverlässige Aufnahme
Huckepack- / Förder-AGV
Transportiert Lasten auf seiner Oberfläche in fixer Höhe. Die Übergabe erfolgt über integrierte Förderbänder, Rollenbahnen oder Kettenförderer an stationäre Anlagen.
Typische Traglast: bis 1,5 t | Einsatz: Produktionslogistik, Verbindung von Fertigungszellen
Stärken
- Nahtlose Integration in bestehende Fördertechnik
- Schnelle, automatische Lastübergabe ohne Eingriff
- Ideal für standardisierte Ladungsträger
Einschränkungen
- Feste Übergabehöhe schränkt Flexibilität ein
- Erfordert passende Förderstationen
- Begrenzte Vielfalt bei den Ladungstypen
Wagen- und Trolleytransport
Unterfahrfahrzeug
Ein flaches Fahrzeug, das unter Wagen, Trolleys oder Rollcontainer fährt, sie anhebt und zum Ziel transportiert. Branchenübergreifend im Einsatz, von Produktionshallen bis zu Krankenhäusern, wo Edelstahlversionen Wäsche, Speisen und Medikamente transportieren.
Typische Traglast: einige hundert kg | Einsatz: Krankenhauslogistik, E-Commerce, Produktionslinienversorgung
Stärken
- Sehr kompakt, navigiert problemlos durch enge Bereiche
- Nutzt vorhandene Wagen, keine speziellen Ladungsträger nötig
- Schnelle Aufnahme- und Abgabezyklen
Einschränkungen
- Beschränkt auf Lasten mit Rollen/Rädern
- Traglast meist geringer als bei Gabelstapler-AGVs
- Wagen müssen für die Aufnahme genau positioniert sein
Schlepper-AGV
Zieht einen oder mehrere Anhänger entlang einer Route, ähnlich einem Routenzug. Beliefert mehrere Stationen in einer einzigen Fahrt.
Typische Traglast: mehrere Tonnen (gesamte Anhängerlast) | Einsatz: Montagelinienversorgung, Milkrun-Belieferung
Stärken
- Hoher Durchsatz pro Fahrt (mehrere Anhänger)
- Ersetzt manuelle Routenzüge direkt
- Effizient für zyklische Versorgungsrouten
Einschränkungen
- Benötigt breite Gänge und großzügige Wenderadien
- An-/Abkopplung der Anhänger erhöht die Komplexität
- Nicht geeignet für Punkt-zu-Punkt-Bedarfsverkehr
Kleinteile und Hochvolumen-Kommissionierung
Mini-AGV
Kleine, leichte Fahrzeuge für den Transport von Behältern, Kisten und Tabletts in Kommissionier- oder Distributionsumgebungen. Oft im Schwarm mit vielen Einheiten im Einsatz.
Typische Traglast: unter 300 kg | Einsatz: E-Commerce-Fulfillment, Kleinteiledistribution, Laborlogistik
Stärken
- Niedrige Kosten pro Einheit, skaliert gut in Flotten
- Passt in schmale Gänge und enge Bereiche
- Hoher Durchsatz durch schiere Flottengrößen
Einschränkungen
- Traglast auf kleine Gegenstände beschränkt
- Flottenmanagement wird mit zunehmender Größe komplex
- Nicht geeignet für schwere oder sperrige Lasten
Schwer- und Spezialtransport
Schwerlast-AGV
Ausgelegt für extrem schwere oder sperrige Lasten. Meist eine Einzelanfertigung für einen konkreten Einsatzzweck, etwa den Transport von Coils, Großkomponenten oder Containern.
Typische Traglast: viele Tonnen bis 50+ t | Einsatz: Stahlindustrie, Papierfabriken, Containerhandling
Stärken
- Bewegt Lasten, die kein anderer AGV-Typ transportieren kann
- Reduziert das Sicherheitsrisiko bei schwerem Manualtransport
- Zuverlässiger, kontinuierlicher Schwerlastbetrieb
Einschränkungen
- Hohe Investitionskosten
- Anspruchsvolle Bodenanforderungen (Tragfähigkeit, Ebenheit)
- Großer Platzbedarf, eingeschränkte Wendigkeit
Outdoor-AGV
Operiert im Freien zwischen Gebäuden, Verladerampen oder auf Lagerflächen. Ausgelegt für Witterungseinflüsse, unebene Flächen und längere Strecken.
Typische Traglast: mehrere Tonnen | Einsatz: Werksgeländelogistik, Gebäude-zu-Gebäude-Transport, Hafenoperationen
Stärken
- Verbindet Indoor- und Outdoor-Logistik nahtlos
- Ersetzt LKW-Pendelverkehre zwischen Gebäuden
- Hohe Nutzlastkapazität
Einschränkungen
- Witterung (Regen, Eis, UV) schränkt Sensoroptionen ein
- Raue Oberflächen erfordern robustes Fahrwerk
- Höherer Energieverbrauch durch Steigungen und Wind
Montage-AGV
Transportiert ein Werkstück durch aufeinanderfolgende Stationen in kontrolliertem Takt. An jeder Station führen Mitarbeiter oder Roboter Arbeitsschritte aus, das AGV bewegt das Produkt weiter.
Typische Traglast: bis 1 t | Einsatz: Automobilmontage, Elektronikfertigung
Stärken
- Flexible Alternative zu festen Förderstrecken
- Montageabfolgen leicht umkonfigurierbar
- Variable Taktzeiten pro Station möglich
Einschränkungen
- Erfordert präzise Positionierung an jeder Station
- Fahrzeugverfügbarkeit wirkt sich direkt auf die Produktion aus
- Komplexer als reine Transportaufgaben
So wählen Sie den richtigen Typ
Der passende Fahrzeugtyp ergibt sich aus einigen konkreten Fragen zu Ihrer Situation.
Was transportieren Sie?
Paletten sprechen für Gabelstapler-AGVs. Behälter und Kleinteile für Mini-AGVs. Wagen und Trolleys sind Unterfahrfahrzeug-Gebiet. Der Ladungsträger bestimmt die Auswahl.
Wie schwer ist die Last?
Leichte Lasten bieten die größte Auswahl. Mittlere Lasten zwischen einer halben und zwei Tonnen sind Gabelstapler- und Förder-AGV-Gebiet. Darüber hinaus sind Schwerlast-Spezialisten gefragt.
Innen, außen oder beides?
Reiner Innenbetrieb bietet die meisten Optionen. Außenbetrieb schränkt die Auswahl auf spezialisierte Fahrzeuge mit Wetterschutz und robuster Navigation ein.
Punkt-zu-Punkt oder zyklische Routen?
Bedarfsgesteuerter Taxi-Transport spricht für Gabelstapler- und Unterfahrfahrzeuge. Feste Rundkurse mit mehreren Stopps sind die Domäne von Schlepperzügen.
Über die Standardtypen hinaus
Die oben genannten Fahrzeugtypen decken die große Mehrheit der AGV-Projekte ab. Spezialisierte Umgebungen erfordern jedoch manchmal Sonderlösungen: AGVs mit Edelstahloberflächen für die Lebensmittelproduktion, Fahrzeuge für explosionsgefährdete Atmosphären in Chemieanlagen, Einheiten für den Betrieb in Tiefkühllagern bei -25 °C oder AGVs, die sich in Krankenhaus-Aufzug- und Türsysteme integrieren. Diese werden in der Regel in enger Zusammenarbeit zwischen Anbieter und Endkunde konstruiert.
Fazit
Es gibt keinen einzelnen "besten" AGV-Typ. Die richtige Wahl hängt davon ab, was Sie transportieren, wie schwer es ist, wohin es muss und wie Ihre Logistikprozesse aufgebaut sind. Beginnen Sie beim Ladungsträger und der Einsatzumgebung, dann grenzen Sie die passenden Fahrzeugtypen ein. In vielen Fällen kombiniert die optimale Lösung zwei oder mehr Typen in einer koordinierten Flotte.
AGVHub